Der Mann hinter venbo.de – Tom Hiller im Interview

Interviews | 18 Apr 2010

Für alle, die sich schon immer genauso neugierig wie ich gefragt haben, wer sich eigentlich hinter venbo.de verbirgt und diese fantastischen, erotischen Aufnahmen macht, hier nun des Rätsels Lösung. Anlässlich der 100. Serie auf venbo.de habe ich einen Blick hinter die Kulissen geworfen und stelle Euch den Mann hinter der Kamera vor: den Fotografen Tom Hiller. Lest was er mir verraten hat:


Florentine: Tom, als Fotograf kennt man Dich vor allem durch Deine klassischen Fotoarbeiten als Mitglied des Teams von Knipsding.de. Wie hast Du Deine Liebe zur Fotografie entdeckt? Seit wann fotografierst Du?

Tom: Ich würde eher sagen „wiederentdeckt“ – Schon als Kind, mit der ersten Kamera bewaffnet hat mich die Fotografie fasziniert. Vor über 10 Jahren entschied ich mich, beruflich das zu tun, was mir am meisten Spaß macht. Seither fotografiere ich nicht mehr nur in meiner Freizeit sondern auch noch in meinem Beruf.

Florentine: Neben viel Erfahrung und dem Sinn für das Detail, hängt Deine Arbeit auch vom richtigen Werkzeug ab. Bist Du ein Technikfan mit HighEnd-Ausstattung oder hast Du einfach nur eine Lieblingskamera mit der Du Deine Werke erschaffst?

Tom: Meine Grundeinstellung dazu ist: Ein guter Handwerker kann gute Arbeit leisten wenn er ein gutes Werkzeug hat und dieses in Perfektion beherrscht. Mein Fotoapparat ist mein Werkzeug. Es muss nicht „HighEnd“ sein, um meinen Ansprüchen zu genügen. Ein Steinmetz leistet ja auch nicht nur bessere Arbeit weil er einen goldenen Meisel verwendet. Eine Lieblingskamera habe ich dennoch. Aber mit der fotografiere ich nicht. Sie ist aus emotionalen Gründen meine Lieblingskamera und liegt deshalb in einer Glasvitrine.

Florentine: Neben den klassischen Arbeiten, wie Hochzeitsbilder, Porträtaufnahmen und Kinderfotos, hast Du das Fotoprojekt venbo.de ins Leben gerufen. Was macht dieses Projekt aus und wie ist es entstanden?

Tom: Der Grundgedanke zu Venbo war eigentlich recht profan. Ich dachte darüber nach, wie ich meine freien Arbeiten ausstellen kann, ohne meine kommerzielle Webseite knipsding.de, die das virtuelle Schaufenster meiner Dienstleistung ist, mit zu vielen Bildern unübersichtlich zu machen. Anfangs versuchte ich es mit konsequenter Sortierung. Aber mir gefiel der Gedanke nicht, das ich große Teile meiner Arbeiten einfach irgendwo auf meine Festplatte packe und nie wieder sehen werde. Aus diesem Gedanken entstand eine neue Webseite, allein als Präsentationsplattform für meine freien Arbeiten. Auf den Namen Venbo kam ich, als ich nach einem anderen Begriff für eine „Webseite mit einer Sammlung weiblicher Aktfotos“ suchte. Venus steht für die Weiblichkeit und die Box ist das Synonym für eine Sammelkiste. Da Venusbox aber einfach zu lang war, kürzte ich diesen Fantasiebegriff auf Venbo.

Florentine: Was macht für Dich die Faszination an erotischer Fotografie aus?

Tom: Schau Dir doch mal die vielen, fast schon überflutenden Bildermassen in der Rubrik Erotik im Internet an. Was mir dabei auffällt: Der Großteil ist zwar schick gemacht, mit ausgeklügeltem Licht extravaganten Posen und Aha-Effekt-sicheren Outfits, aber sie erwecken den Eindruck, es geht mehr um die Huldigung des Themas selber, als um den Versuch EROTIK bildlich festzuhalten und darzustellen. Die Faszination für mich besteht darin, zu überlegen, was ist erotisch, was reizt mich, warum tut es das – meist sind dies winzig kleine Momente oder Gestiken, manchmal sind es bestimmte Abläufe. Und diese Erotik wirklich fotografisch einzufangen / zu transportieren, das ist es was mich fasziniert.

Florentine: Betrachtet man die Serien auf venbo.de, so fällt vor allem die Natürlichkeit der Modelle auf. Ist es eine besondere Herausforderung sich gegen dem Mainstream und Photoshop zu entscheiden?

Tom: Mir ist nicht bewusst, dass ich mich gegen einen Mainstream entschieden habe. Schau es ist so: Was meine freien Arbeiten angeht, verfolge ich eine klare Linie. Das Ergebnis muss in erster Linie meinen ganz persönlichen Ansprüchen entsprechen. Wenn ich also, wie gerade erwähnt, am Ende eines Shootings mit einem Hochgefühl vor meinen Arbeiten sitze, habe ich alles richtig gemacht. Ob das letztendlich Mainstream ist, interessiert mich bei meinen freien Arbeiten nicht. Gegen die Bildbearbeitung habe ich mich nicht entschieden, im Gegenteil, sie ist ein wichtiger unerlässlicher Abschnitt in der Entstehung meiner Fotografien. Allerdings ist sie nichts, was als Garnierung über das Foto geschüttet wird, sondern etwas, das die Situation, die Stimmung oder Empfindung unterstreicht oder hervorhebt. Nicht Zuviel und nicht Zuwenig.

Florentine: Die Serien sind ja immer wieder anders. Hast Du Vorbilder denen Du nacheiferst und die Dir eine Inspiration sind?

Tom: Sollte ich das Verraten? Naja, wir sind ja unter Uns. Nein Spaß beiseite, natürlich lasse ich mich tagtäglich im Internet, in Büchern und auch im Leben von Situationen, Geschichten, Bildern und Gesprächen Inspirieren. Das sind Sinneseindrücke, welche als Grundlage zu neuen Ideen Pate stehen. Ein Vorbild als solches, welchem ich direkt nacheifere habe ich nicht. Es gibt einige namhafte aber auch einige unbekannte Künstler, deren Arbeit ich als sehr wertvoll erachte, die mich sicherlich auch inspirieren. Aber Nacheifern – nein dazu wäre ich zu inkonsequent.

Florentine: Nehmen wir an, ich möchte auch erotische Fotos von mir haben. Wie muss ich mir die Entstehung einer venbo-Serie vorstellen? Was erwartet mich bei Dir?

Tom: Oh, ich hoffe, dass diese rhetorische Frage einem zukünftigen Interesse entspringt. Aber fangen wir am Anfang an: Ich würde Dich zuerst fragen, ob du die Fotos allein für Dich haben möchtest, oder ob du einer Ausstellung der Fotos durch mich im Internet zustimmst. An diesem Punkt trennen sich die Wege der Entstehung. Der eine Weg führt zu einem Auftragsshooting an dessen Ende ein Datenträger voller Fotos allein zu Deiner eigenen Verwendung steht. Der andere Weg führt über ein freies Shooting zu einer neuen Venboserie. In ersten Gesprächen versuche ich mir ein Bild von Dir zu machen, wer du bist, was du magst, was Dich ausmacht. Daraus reift eine Idee. In meinem Atelier oder an der Locations erwartet Dich dann ein arbeitsreiches Shooting, manchmal ein Muskelkater, aber auf jeden Fall auch viel Spaß, den ein oder anderen Tipp und eine gehörige Portion Selbstbestätigung. Aus diesem Geben und Nehmen entsteht am Ende die neue Fotoserie.

Florentine: Beim Stöbern auf den Seiten habe ich Deine Workshop-Angebote entdeckt. Wie gestaltest Du solche Termine?

Tom: Seit mehreren Jahren bin ich Dozent an einer Volkshochschule. Allerdings bin ich dort bei der Gestaltung der Kurse durch die Vorgaben der VHS eingeschränkt. Irgendwann kam mir die Idee, genährt von der Resonanz meiner Kursteilnehmer, eigene Kurse anzubieten.

Damals wurde ich öfter gefragt ob es nicht möglich wäre, einen Einblick in die Venbo-Shootings zu bekommen, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe zu lernen wie man solche Fotoserien erstellt und fotografiert. Die logische Konsequenz: der VENBO-WORKSHOP: Bedeutet ein Workshop ohne viel Theorie, dafür mit viel Zeit zum Ausprobieren und einem Venbomodell!

Florentine: Das Projekt venbo.de feiert seine 100. Serie. Hast Du an diesen riesigen Erfolg geglaubt? Und wo siehst Du Dich in ein paar Jahren? Sicher dürfen wir noch einiges erwarten?

Tom: Ich glaube ich bin zu bescheiden, um darin einen riesigen Erfolg zu sehen, 100 Serien ausgestellt zu haben. Riesige Erfolge sind für mich in diesem Zusammenhang die stetig wachsende Zahl der Seitenbesucher, das Interesse eines Fernsehsenders im letzten Jahr und die vielen Zuschriften mit positiver Resonanz zu meinen Fotografien und dem Projekt. Am Ende sind diese Dinge natürlich erst die Grundlage dafür, dass es mittlerweile die einhundertste Serie gibt. Damit ist die Symbolik dieser Zahl schlussendlich schon ein Erfolg. Und deshalb freue ich mich, mit Dir zusammen anlässlich der 100sten Serie ein kleines Gewinnspiel auf Venbo anbieten zu können und damit ein kleines Dankeschön denen zu sagen, die wahres Interesse an meiner Arbeit zeigen.

In ein paar Jahren sehe ich mich immer noch hinter der Kamera das tun was mir am meisten Spaß macht – fotografieren. Ohne zu viel zu verraten: Ich habe natürlich viele Ideen und Pläne. Wo wäre sonst die Herausforderung. Aber darüber wird erst gesprochen wenn sie Reif sind. Nicht ganz uneigennützig verweise ich deshalb darauf, doch immer einmal einen Blick auf venbo.de zu werfen.

Florentine: Vielen Dank für das interessante Gespräch mit Dir! Ich wünsche Dir viel Erfolg für zukünftige Arbeiten und immer den perfekten Blick.

Tom: Ich danke auch Dir. Vielleicht sieht man sich ja einmal vor der Kamera.


(Bildquelle: © Tom Hiller)

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